Auktion: 519 / Kunst nach 1945 / Zeitg. Kunst II am 19.06.2021 in München Lot 452


452
Gerhard Hoehme
Muddle, 1982.
Acryl auf Leinwand mit PE-Schnur
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inkl. Käuferaufgeld)
Muddle. 1982.
Acryl auf Leinwand mit PE-Schnur.
Hoehme 82-03. Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert, betitelt und bezeichnet. Leinwand: 160 x 160 cm (62,9 x 62,9 in). Gesamtmaß: ca. 185 x 160 cm (72,9 x 63 in).

• Großformatige Arbeit, die durch den Einsatz von Kunststoffschnüren den Bildraum in die dritte Dimension erweitert.
• Wunderbarers Zeugnis von Hoehmes kunsthistorisch bedeutendem Beitrag zum "offenen Bild".
• Schöne Verbindung von Hoehmes gestisch-informeller Malerei der 1950er Jahre mit seinem späteren Bemühen um die Entgrenzung der Bildfläche.
• Hoehme gilt als Hauptvertreter des deutschen Informel und als Schöpfer eines der eigenwilligsten und vielschichtigsten Werke der deutschen Nachkriegskunst
.

PROVENIENZ: Sammlung Deutsche Bank.

AUSSTELLUNG: Kunst aktuell, Städtische Kunsthalle, Mannheim 1986.

"Die Schnur ist eine Art Fühler. Sie tritt aus dem Bild heraus, kommt auf den Betrachter zu, um [..] den Abstand zwischen dem Betrachter und dem Bild aufzuheben, den Betrachter in das Bild hineinzuholen. So ist das Bild nicht mehr ein fremdes Gegenüber. Es entsteht so etwas wie ein Übergang vom Bildraum zu unserem gelebten Raum [..]"
Walter Biemel, in: Begegnung mit Gerhard Hoehme, Ausst.-Kat. Düsseldorf 1992, S. 91.

Im Jahr 1951 begegnet der junge Hoehme Jean-Pierre Wilhelm, der den Kontakt zu Jean Fautrier und Jean Dubuffet herstellt, den bedeutendsten Vertretern des Informel in Paris. Er ist, nach gegenständlichen Anfängen, bald darauf selbst der informellen Malerei verpflichtet und zählt heute neben Karl Otto Götz und Emil Schumacher zu den deutschen Hauptvertretern dieser bedeutenden Kunstrichtung der Nachkriegszeit. Hoehme hat mit seinem Œuvre in den 1950er Jahren einen wesentlichen Beitrag zum deutschen Informel geleistet und darauf aufbauend in den folgenden Jahrzehnten einen der eigenwilligsten und vielschichtigsten Stile entwickelt, die die deutsche Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennt. Auf seine "shaped canvas" folgt ab den 1960er Jahren Hoehmes künstlerische Auseinandersetzung mit der Dreidimensionalität, die er mithilfe der Kombination aus bemalter Fläche und Raumelementen umzusetzen versucht. Ab 1964 entstehen verstärkt Raumobjekte, die neben dem klassischen Leinwandgrund unter anderem auch Holz, Gaze und Nylonschnüre integrieren. Im selben Jahr entwickelt Hoehme seine "Schnittmusterbögen", ab 1968 folgen Installationen und es entstehen die ersten "Damastbilder", mit denen Hoehme einen weiteren Beitrag zum "offenen Bild" leistet. Seine großformatigen Leinwände der 1980er Jahre - von denen unsere stark gestische Arbeit "Muddle" ein besonders schönes Beispiel gibt - schaffen eine eindrucksvolle Verbindung aus Hoehmes informellen Anfängen und seiner anschließend konsequent umgesetzten Öffnung des Bildraumes in die Dreidimensionalität: Die durch den energischen gestischen Duktus strukturierte Malfläche wird durch ein im Zentrum aufgesetztes, räumliches Element und Hoehmes berühmte Kunststoffschnüre in den Raum erweitert. "Muddle" ähnelt in Aufbau und Farbgebung seinem ebenfalls 1982 geschaffenen "Äthna-Zyklus", der sich in der Sammlung des Saarland Museums, Saarbrücken, befindet und sich mit der geologischen Thematik von Feuer, Glut und Verkrustung auseinandersetzt. Hoehmes innovatives Schaffen ist auf zahlreichen bedeutenden Ausstellungen vertreten. Zuletzt zeigte die Kunstakademie Düsseldorf im Frühjahr 2020 eine umfassende Werkschau des bedeutenden Vertreters der deutschen Nachkriegsmodernde. [JS]



452
Gerhard Hoehme
Muddle, 1982.
Acryl auf Leinwand mit PE-Schnur
Schätzung:
€ 15.000
Ergebnis:
€ 18.750

(inkl. Käuferaufgeld)